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Gammertingen, St. Michael: Auswertung Der Archäologischen Ausgrabungen Insbesondere Unter Herrschafts-, Siedlungs- Und Landesgeschichtlicher Fragestel

by Sören Frommer
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Book cover type: Hardcover
  • ISBN13: 9783954902309
  • Binding: Hardcover
  • Subject: N/A
  • Publisher: Dr Ludwig Reichert Verlag
  • Publisher Imprint: Dr Ludwig Reichert Verlag
  • Publication Date:
  • Pages: 365
  • Original Price: USD 98.0
  • Language: German
  • Edition: N/A
  • Item Weight: 1860 grams
  • BISAC Subject(s): Europe / Medieval

Die am Nordrand der schw�bischen Kleinstadt Gammertingen gelegene baulich unscheinbare Michaelskapelle wurde im Jahr 1981 fast vollst�ndig arch�ologisch untersucht. Schon im Vorbericht wurde deutlich, dass die Kapelle in vorst�dtische Zeit zur�ckreichte und auf eine herrschaftliche Eigenkirche zur�ckgehen d�rfte. Dies kann nun konkretisiert werden: Die Michaelskapelle entstand im 10. Jahrhundert auf einer den Grafen von Gammertingen zuzuordnenden Niederungsburg, deren Kernburg aus zwei miteinander verbundenen und von einem gemeinsamen Graben umgebenen k�nstlich aufgesch�tteten H�geln bestand. W�hrend auf dem in den benachbarten Flusslauf hineingebauten Osth�gel das herrschaftliche Wohngeb�ude zu rekonstruieren ist, war der unscheinbarere Westh�gel der sakralen Nutzung zugeordnet. Mit dem um 980 errichteten ersten massiven Kirchenbau beginnt unmittelbar die Nutzung als Familiengrablege der ans�ssigen Hochadelssippe. Die acht erfassten Bestattungen konnten �ber molekulargenetische Untersuchungen zu einem vier Generationen umfassenden Stammbaum zusammengef�gt werden. Die offenbar nach festem Belegungsmuster bestatteten Toten sind mit den jeweiligen m�nnlichen Familienoberh�uptern identisch oder im ersten Grad blutsverwandt. Im Verbund mit der Gr�berstratigrafie und radiometrischen Untersuchungen der Gebeine lassen sich f�r die Belegungszeit des 10./11. Jahrhunderts sehr exakte Datierungen formulieren, was auch Auswirkungen auf die Chronologie der in den Gr�bern gefundenen Keramik hat.
Der Zentralbefund Erbgrablege steht nicht allein, sondern ist in eine Entwicklung eingebunden, die mit einem ersten Herrenhof des mittleren 7. Jahrhunderts beginnt, in dessen Umfeld in gr� erem Ma stab Eisenverh�ttung betrieben wurde. Nach einer "goldenen Generation" der Gammertinger Grafen in der ersten H�lfte des 11. Jahrhunderts, die die neue H�henburg Baldenstein errichten lie und die Michaelskapelle zur Basilika mit Seitenturm ausbaute, begann ein schleichender Niedergang, der mit dem Aussterben der Grafen in der 2. H�lfte des 12. Jahrhunderts seinen Schlusspunkt fand. Nur mit Gl�ck blieb der ausgebrannte Torso der gr�flichen Eigenkirche erhalten, bis in der 2. H�lfte des 13. Jahrhunderts die Gr�ndung der Stadt Gammertingen erfolgte. Die Michaelskapelle wurde als Schlosskapelle in den stadtherrschaftlichen Bezirk miteingebunden und erbrachte als solche bis in die Neuzeit hinein relevante Befunde zur Stadt-, aber auch zur Landesgeschichte.
Die Arbeit zeigt, dass eine interdisziplin�r und methodenbewusst aufgestellte Arch�ologie in der Lage ist, das herrschaftsgeschichtlich effektiv immer noch "dunkle Zeitalter" vor dem Einsetzen einer der etwas breiteren kl�sterlich getragenen Schrift�berlieferung im sp�teren 11. Jahrhundert deutlich zu erhellen. Auch wenn es erwartungsgem� nicht gelang, eine direkte Verbindung vom spangenhelmtragenden "F�rst von Gammertingen" des sp�ten 6. Jahrhunderts bis zu den Grafen des Hochmittelalters zu kn�pfen, kann der Befund von Gammertingen doch paradigmatische Bedeutung beanspruchen - in dem Sinn, dass die in den fr�hen Schriftquellen noch nicht aufscheinende Bedeutung lokaler Kontinuit�t f�r die Frage nach der Entstehung des hochmittelalterlichen Adels gleichwohl prominent mitbedacht werden muss.

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